[Suedostasien ] 19 Juli, 2008 08:04

 Die ersten Tage in Manila habe ich in einer Pension südlich des Flughafens verbracht, fernab jeglicher Betätigungsmöglichkeit. Nach 3 Tagen bin ich dann nach vorheriger Erkundung in den Ortsteil Malate gezogen. „Friendly´s Guesthouse“ war ab sofort die Unterkunft meiner Wahl. Obwohl sie sich selbst als Guesthouse bezeichnen, träfe die Bezeichnung Hostel viel eher zu. Hervorzuheben waren hier neben der bunt gemischten Backpacker Klientel, das samstägliche Wein- und Käsebuffet auf Kosten des Hauses. Und den Besitzer Benji, eine Frohnatur sondergleichen, muss man einfach kennen gelernt haben.

Eigentlich haben die Philippinen ja deutlich mehr zu bieten als Manila, jedoch nahm mir die Hitze jegliche Lust auf irgendwelche Unternehmungen. Und so verbrachten wir die Tage, wenn wir nicht gerade schliefen, in den riesigen klimatisierten Shopping-Malls und die Nächte in den Bars rings um unser Guesthouse.

Unsere bevorzugte Mall „Robinson´s“ war nur 5 min entfernt und daher fast täglich der Anlaufpunkt für ein spätes Frühstück, so gegen 14:00 Uhr. Vom Frühstück gings dann verzugslos in eines der Cafés a la „Starbucks“ oder „Coffee bean“ zum Leute beobachten. Als kleinen Snack zwischendurch gab es dann für mich des öfteren leckerer Oreo-Käsekuchen, der sich in den Tagen der Faulheit auch auf der Waage niederschlug.

Eigentlich war Manila ja nur als Sprungbrett nach Taiwan gedacht, da es keine günstigen Direktflüge von Bangkok gab.

Die Vorfreude auf Taiwan war groß, besonders da die Wetterprognose wieder Temperaturen aus meinem Wohlfühlbereich in Aussicht stellte. Wie herrlich war das, als dann wirklich am Bahnhof in der Hauptstadt Taipeh ein riesiges Display mir die Temperatur von 22°C verkündete.

Am Anreisetag habe ich mich abends um 8 Uhr mit Daphnée verabredet. Bisher kannte ich sie nur aus dem Internet und sie hat mir ihre Couch zum Surfen angeboten. Couchsurfing (www.couchsurfing.com) ist eine Gemeinschaft freundlicher Menschen, die andere freundliche Leute bei sich zu Hause übernachten lassen um bei nächster Gelegenheit die selben Vorteile auf Reisen in Anspruch zu nehmen. Es ist eine super Möglichkeit, neue Freunde zu treffen und tiefere Einblicke in die örtliche Kultur zu erleben.

Am Abend traf ich dann Daphnée, die mit ihrer Freundin Michelle erschien, und wir setzten uns in ein Café und plauderten bis zum späten Abend. Nachdem wir uns dann von Michelle getrennt hatten, fuhren wir dann mit der letzten U-Bahn zu Daphnée. Da sie an der U-Bahnstation ihren Motorroller geparkt hatte, nahm ich mir ein Taxi. Wie Erfahrungen aus Thailand gezeigt haben, ist mein großer Rucksack auf einem Motorroller der Verkehrssicherheit nicht sehr zuträglich.

Wie für mich war es auch für Daphnée das erste Mal, dass sie Couchsurfing-Erfahrung sammelte. Da sie aber im Gegensatz zu manch anderen ihrer Landsleute sehr weltoffen ist, sie verbrachte schon einige Wochen in Frankreich und spricht neben Mandarin und Englisch auch Französisch, gestaltete sich alles sehr problemlos. Da sie täglich von 9.00 – 19.30 Uhr arbeiten muss, stellte sie mich auch ihrer französischen Freundin Severine vor. Mit ihr erkundete ich die herrlichen Wandermöglichkeiten in den Hügeln Maokongs mit seinen Teeplantagen und Tempeln rings um Taipeh. Und wenn wir mal keine Lust zum Wandern hatten, setzten wir uns einfach in ein kleines Lokal zum quatschen und Tee trinken. Severine ist Französischlehrerin und da die meisten Taiwanesen Fremdsprachen nach der Arbeit lernen, hat sie tagsüber oft viel Freizeit. Das ist einerseits ganz angenehm, andererseits ist es blöd wenn man etwas mit Freunden unternehmen will, da man dann arbeiten muss, oft auch am Wochenende, wenn diese frei haben. An den Tagen, an denen Severine keine Zeit hatte, durchstreifte ich Taipeh auf eigene Faust und besuchte u.a. das Chiang Kai Shek Memorial, wo eine militärische Ehrenformation zu den Klängen von Madonnas „papa don´t preach“ ihren Auftritt probte. Long Shan Tempel und natürlich den Taipeh 101, derzeit noch das höchste (fertiggestellte) Gebäude der Welt standen ebenfalls auf dem Programm.

Wenn Daphnée dann abends von der Arbeit kam, verabredeten wir uns meist irgendwo in der Stadt und sie zeigte mir ein paar Plätze, wo man lecker und günstig essen kann. So lernte ich dabei einige „Delikatessen“ wie Stinketofu und Entenzunge kennen und einige andere Sachen, die ich aber kaum aussprechen geschweige denn mir merken kann. Und immer frei nach meinem Motto: Was andere essen kann ich auch essen.

Eines abends nahm sie mich mit zur Wohnungseinweihungsparty ihres Arbeitskollegen Hank. Die Gäste waren für die Speisen und Getränke verantwortlich und so organisierte ich im Carrefour noch eine Flasche Rotwein als kleine Beteiligung. Man will ja nicht mit leeren Händen erscheinen. Und da es unter den Gästen einige überzeugte Weintrinker gab, wie ich natürlich vorher in Erfahrung brachte, lag ich damit goldrichtig. Die meisten Anwesenden sprachen ein wenig Englisch und so gab es einen regen Erfahrungsaustausch. Als es dann später wurde und die Zunge schon etwas schwerer, versammelten wir uns vor Hanks großem Flatscreen-TV und schauten uns die taiwanesische Version der Suche nach den Superstars an. Insbesondere die Mädels waren voll bei der Sache und sangen lauthals mit ihren Lieblingen um die Wette. Es war ein sehr lustiger Abend!


Mehr über Taiwan gibt’s in Kürze im nächsten Teil

 Bilder Taipeh:  http://www.facebook.com/album.php?aid=21606&l=0dc66&id=779493871

 Bilder Manila: http://www.facebook.com/album.php?aid=26818&l=9781e&id=779493871

[Suedostasien ] 04 Juli, 2008 09:00

Um mal einigermaßen wieder auf Stand zu kommen, hier ein kurzer Abriss der letzen Wochen. In Hanoi habe ich mir ein Ticket für einen Platz im Schlafbus organisiert, einmal durch Vietnam für 36 Dollar. Dabei gibt es bei den Reiseveranstaltern durchaus Qualitätsunterschiede. Meine erste Etappe von Hanoi nach HoiAn absolvierte ich mit AnPhu-Travel, bin anschließend aber zum Marktführer Sinh-Café gewechselt (Natürlich mit neuem Ticket). Die Busse sind einfach sauberer und haben außerdem eine Toilette an Bord. Die Busreisen sind ganz angenehm solange man nicht größer als 1,77 ist. Dann paßt man einfach nicht mehr in die Schlafkojen und die Reise wird eine Einnahmequelle für den Chiropraktiker. Weiterer Pluspunkt der Busreisen sind die gesparten Übernachtungskosten, da die Langstrecken alle über Nacht erledigt werden. Stationen der Reise in Vietnam waren wie schon erwähnt HoiAn (das Städtchen der 400+ Schneider), NhaTrang (lustiges Strandleben) und HoChiMinh City (ehem. Saigon). Negativer Höhepunkt der Vietnamreise war der Verlust meiner Brille in HoiAn. Ich trug den ganzen Tag meine Sonnenbrille und als ich abends am Computer wieder auf Klarglas wechseln wollte, war mein Etui nicht mehr am vorgesehenen Platz. Die geplante Abreise am nächsten Tag verschob ich kurzfristig. Erstens um eventuell meine Brille wiederzufinden und zweitens um schließlich doch noch eine neue zu erwerben. Ich habe am nächsten Morgen um 5:00 Uhr sogar ein zweites mal einen Halbtagesausflug zu den Ruinen von MySun unternommen. Leider erfolglos. Und so habe ich mir dann innerhalb von 4h fuer 100 € eine neue Brille verpassen lassen.

Ein anderer Minuspunkt des Aufenthaltes in Vietnam war die mörderische Schwüle. Schon nach dem Frühstück stand ich meist das zweite Mal unter der Dusche. Fünfmal Duschen am Tag waren keine Seltenheit. In Saigon haben wir dann die meisten Tage im „Bobby Brewers“ verbracht, einem Starbucks-ähnlichen Lokal. Der große Unterschied war jedoch der kleine Kinosaal im Obergeschoss, wo den ganzen Tag relativ neue Kinofilme liefen. Für umsonst! Begonnen wurde der Tag immer mit einem regionalbezogenem Film wie „Good Morning Vietnam“ oder „Killing Fields“.

Von Saigon (hier traf ich für einen Tag wieder auf meinen irischen Freund Niall und wir unternahmen einen Ausflug zu den Tunnelsystemen der Vietkong) gings mit dem Bus nach Kambodscha. Über Phnom Penh führte mich mein Weg nach Siem Reap. Hier erkundete ich an einem Tag einen Teil der beeindruckenden Ruinen Angkor Wats mit dem Fahrrad. Nach grober Schätzung legte ich etwa 35 km bei brütender Hitze mit meinem klapprigen Damenrad zurück. Ist aber auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Infos (und Radl) gibt’s in Siam Reap im Hotel „Prince Mekong“.

Ein Erlebnis der besonderen Art war die Weiterreise nach Bangkok. Morgens um 7:00 Uhr wurden wir zum Bus bestellt. Etwa eine Stunde später erschien dann auch ein altes Ungetüm von Bus. Gepäckfächer im Boden gab es nicht und so wurden die Gepäckstücke im hinteren Teil des Busses gestapelt. Da ich diese Hektik beim Einsteigen immer etwas lästig finde, der unklimatisierte Bus nicht gerade einladend wirkte (und ich als letzter auf den Platz neben dem Busfahrer spekulierte) sah ich mir das ganze Treiben von einem schattigen Plätzchen aus an. Es herrschten immerhin schon knapp 30°C. Welch weise Entscheidung das war, stellte sich kurze Zeit späte heraus, als der Bus voll war und immer noch 5 Leute draußen standen. Der Bus wurde erstml auf die Reise in Richtung Grenze geschickt und die Reiseveranstalter begannen heftig zu telefonieren. Nach ca. 40 min standen dann auch 2 Toyota Camry (der Besitz eines solchen zeugt hier schon von einem gewissen Wohlstand) zum Einsteigen bereit. Dermaßen luxuriös und klimatisiert fuhr ich dann mit den anderen Glücklichen über die staubige Holperpiste in 2:45h gen thailändischer Grenze. Hin und wieder ist die „Straße“ auch asphaltiert aber meist geht’s durch schlaglochdurchsetzte, staubige Piste. Ist sicher nicht angenehm in einem unklimatisiertem Bus mit offenen Fenstern. Der Bus kam übrigend eine Stunde später an.Gerüchte besagen, dass insbesondere einige Fluggesellschaften den Ausbau der Strecke heftig boykottieren um die verwöhnten Touris in den Flieger zu bekommen.

Zurück über die Grenze in Thailand gings es dann wieder mit einem modernen Minibus nach Bangkok. Hier verbrachte ich noch ein paar Tage im Backpackerzentrum Khao San Road ehe es mit dem Flieger nach Manila auf die Philippinen ging. Auf Empfehlung flog ich mit cebu pacific für 75 Euro.

Der Flieger von Bangkok startete nachts um 01:00 Uhr und beim Einchecken kurz vor Mitternacht wollte der Mann am Check-In doch glatt wissen, wann und wie ich die Philippinen wieder verlasse. Das heißt, er wollte eine Flugbuchung sehen mit meinem Namen drauf. Ergo musste ich kurzfristig am Flughafen einen Flug buchen. Mein nächstes Ziel, Taiwan, stand glücklicherweise schon fest und so hatte ich kurze Zeit später meinen Aufenthalt in Taiwan ausgeplant. So eine langfristige Planung war etwas total Ungewohntes für mich. Ankunft in der Hitze Manilas am naechsten Morgen und alles Weitere beim nächsten Mal. Dauert auch diesmal nicht so lange.

 

Gruß aus der Ferne, Jan 

[Suedostasien ] 07 Mai, 2008 15:00

Der erste Gedanke in Hanoi war: Ich will hier weg!! Millionen von Motorrollern sorgen bei Tag und Nacht für Hektik und Lärm (ohne Hupen geht auch hier gar nix) in der Stadt. Meine Furchtlosigkeit beim Überqueren der Straßen ist zwar inzwischen berüchtigt, hier jedoch gab es Momente wo auch ich kurz ins Zögern geriet. Wer Hanoi als Fußgänger überlebt könnte auch auf deutschen Autobahnen spazieren gehen. Meine zweite Aversion war diese unerträgliche Schwüle. Der ersten Tag in der Stadt bin ich nur von einem Cafe zum nächsten geschlendert und habe mich in den klimatisierten Lokalitäten den gastronomischen Annehmlichkeiten und einem Buch gewidmet.

Im Laufe der nächsten Tage habe ich es zumindest noch ins Hanoi Hilton, das ehemalige berüchtigte Gefängnis (hier saß einst auch US Präsidentschaftskandidat John McCain ein) und ins Armeemuseum geschafft. Die Museen an sich sind interessant und lehrreich, jedoch ist die vietnamesische Propaganda teilweise unerträglich bis lächerlich. Auch Onkel Ho Chi Minh habe ich natürlich in seinem Mausoleum besucht, um die Riege der kommunistischen Führer (Lenin, Mao, Onkel Ho) zu komplettieren. Fehlt eigentlich nur noch Fidel Castro.

Wenn man in Hanoi ist, solte man es auf keinen Fall versäumen, einen Ausflug in die malerische Halong Bay mit ihren Felsformationen an der Küste Vietnams zu unternehmen. Touren werden hier überall angeboten. Die Ausflüge sind nahezu standartisiert und sehr touristisch, das sollte einen aber nicht von der Durchführung abhalten. Ich habe im Hostel eine 3-Tage-Tour für 80 Dollar gebucht, die unter anderem eine Übernachtung auf einer Dschunke beinhaltete. Wer sich etwas umschaut findet die Touren durchaus auch etwas billiger, bei der Buchung im Hostel hat man jedoch den Vorteil, dass man mit Leuten reist, mit denen man mindestens schon eine lustige Nacht auf dem Dach des Hostels oder in einer der umliegenden Bars verbracht hat. In meinem Fall kam die Mehrheit der Meute aus Irland und England (wie üblich) und dementsprechend ging es auch hoch her. Insbesondere die Nacht auf dem Boot war nach dem Tagesprogramm (Höhlenbesichtigung, Kajaktour, Baden) bei diversen Sing- und Trinkspielen ausgesprochen lustig und hinterließ bei einigen am nächsten Tag deutliche Spuren. Nur um den Tourismuscharakter zu verdeutlichen, um uns herum zählte ich 42 Boote, die hier in der Nacht vor Anker lagen. Unser Boot war jedoch mit Abstand das lustigste.

Der nächste Tag brachte uns nach Cat Ba Island, eine Insel in der Halong Bucht. Dort hatten wir u.a. Gelegenheit, die Schönheiten der Insel mit dem Motorroller zu erkunden. Es gab zum Glück keine Kontrollen auf Restalkohol. Das Abendprogramm war eine Fortsetzung der Spiele des Vortages in einer der hiesigen Bars.

Am nächsten Morgen fuhr der Rest der Truppe wieder nach Hanoi zurück. Ich habe meinen Aufenthalt auf Cat Ba jedoch noch um ein paar Tage verlängert, da es hier fantastische Klettermöglichkeiten gibt. Wer hier klettern möchte, wendet sich am besten an Eric und Onslo (www.slopony.com), ein dynamisches Duo, das mit viel Enthusiasmus und Ausdauer den Klettersport in Vietnam voranbringen möchte. Am ersten Klettertag war klettern im Butterfly-Valley angesagt. Pro Tag sind hier nur vier(!!) Kletterer zugelassen. Und da Eric und Onslo sich seit langem auch mal wieder einen Klettertag gönnen wollten, waren nur noch zwei Plätze frei. Irgendwie hatte ich das Glück, aus den 5 Bewerbern ausgewählt zu werden. Es war einer meiner schönsten Klettertage überhaupt! Das lag mitnichten nur am Klettern. Wie der Name schon verrät, wird man hier in einem stillen Tal von zahlreichen bunten Schmetterlingen umschwärmt. Zusätzlich hatte die am Felsen lebende Familie ihr alljährliches Familientreffen und da Eric und Onslo als Stammgäste fast zur Familie gehören, waren wir alle zum Mittagessen eingeladen. Ein halbes Dutzend Kletterer stieß ebenfalls noch dazu. Bei vietnamesischen Köstlichkeiten saßen wir im Kreis der Familie und versuchten, mit Händen und Füßen zu kommunizieren. Zum Abschluss geb es hochprozentigen Schnaps aus Ziegenblut!! Und irgendjemand gab dann das Signal: Alle dürfen klettern! Nach angemessener Ausnüchterungspause in der Hängematte ging es bis zur Dämmerung wieder an den Fels und die Familie schaute zu und feuerte uns an. Für diese Leute ist es immer noch unverständlich, warum wir langweilige Felsen hochklettern wollen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Boot an einem einsamen Strand zum Klettern. Ich war noch etwas erschöpft vom Vortag aber irgendwie ging es doch. Insbesondere das erfrischende Bad nach jedem Klettergang war eine willkommene Wohltat. Zum krönenden Abschluss stand am Nachmittag noch Deep Water Soloing auf dem Programm. Auch wenn mein Akku nahezu leer war, konnte ich mich noch einmal aufraffen. Das Gefühl ohne Sicherung am Felsen ist einfach großartig. Und da ich die geliehenen Kletterschuhe vom Salzwasser verschonen wollte, kletterte ich diesmal barfuß. Eine tolle Erfahrung.

Tags darauf fuhr ich wieder zurück in die Hektik Hanois. Dort blieb ich noch zwei Tage und traf unter anderem wieder auf ehemalige Reisegefährten vom Trip auf dem Mekong.

Dann hieß es, auf in Richtung Süden und das ist dann Thema im nächsten Bericht.

 

Viele Grüße, Jan

 

 

 

Bilder Hanoi: http://www.facebook.com/album.php?aid=18418&l=cd59b&id=779493871

Bilder Halong Bay:  http://www.facebook.com/album.php?aid=18421&l=4591d&id=779493871
 

[Suedostasien ] 06 Mai, 2008 21:19

Für die Fahrt von Vientiane nach Hanoi habe ich wieder den Bus als bevorzugtes Transportmittel ausgewählt. Bei einem Preis von 18$ findet man auch nur sehr schwer irgendwelche Gegenargumente. Außer vielleicht die prognostizierte Reisedauer von von 24 Stunden. Pünktlich um 17:00 Uhr wurde ich am Hotel abgeholt, um zum Bus-Terminal gebracht zu werden. Knapp 30 Minuten später hält der Minibus vor einem Gebäude, welches man nur mit äußerstem Wohlwollen als Lagerhalle bezeichnen konnte.Weit und breit nichts zu sehen, was irgendwie einer Busstation ähnlich sieht. Nachdem man uns, neben mir noch 11 andere ratlos dreinschauende Gesichter, ins Gebäude gebeten hatte, fanden wir im Hinterhof schließlich auch einen Bus. Unseren Bus, wie mir auf Nachfragen versichert wurde. Das Gefährt machte, ehrlich gesagt, nicht den allerbesten Eindruck. Die linke Seite hatte wohl vor einiger Zeit Bekanntschaft mit einem anderen Verkehrsteilnehmer oder einem sonstigen Hindernis gemacht. Jedenfalls war das eingerissene Blech nur sehr notdürftig mit Klebeband geflickt worden. Aber bei 18 Dollar für knapp 800 km will man ja nicht zu viel erwarten. Und das praktische bei den Nachtfahrten sind die gesparten Hotelkosten.

Inzwischen hat man sich auch mit den anderen Mitreisenden bekannt gemacht und der nächste kleine Schock kam für mich, als mir vier von ihnen sagten, dass sie nicht nach Hanoi sondern nach Hué fahren und das liegt nicht unbedingt auf dem Weg nach Hanoi. Vier mal Hué gegen ein mal Hanoi ist keine Situation, die das Selbstbewusstsein fördert. Aber nach Befragung der restlichen Reisegruppe hieß es dann acht mal Hanoi gegen vier mal Hué und der schwarze Peter war erstmal weiter gereicht.

Der Bus war nicht mal zur Hälfte besetzt und so konnten wir es uns einigermaßen gemütlich machen. Gegen 2 Uhr morgens kamen wir an der laotisch/vietnamesischen Grenze an und wir reihten uns ein in die Schlange der Busse und LKWs, die auf die Grenzöffnung um 7 Uhr warteten. Warum wir schon um 19:00 Uhr losgefahren sind, wenn wir sowieso an der Grenze warten müssen, konnte uns niemand erklären. Ob es daran lag, dass man möglichst weit vorne in der Schlange der Fahrzeuge stehen möchte (= vorherrschende Meinung der Reisegruppe) oder an eventuellen nächtlichen Strassensperrungen in Grenznähe, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Die Aus- und Einreiseformalitäten sind mit chaotisch noch sehr euphemistisch dargestellt. Die Menschentrauben vor den Schaltern der Beamten kämpften mit spitzen Ellenbogen und Kopfstößen und man erlebte die sonst so gemütlichen, entspannten und freundlichen Laoten total außer Rand und Band. Pässe wurden durch die Massen gereicht und in die Glaskästen der Beamten geworfen und wer Glück hatte und seinen Pass bald  zurück bekam, kämpfte sich gegen die anströmenden Massen wieder nach draußen. Glücklicherweise gab es getrennte Schalter für Laoten/ Vietnamesen und für sonstige Ausländer. Unglücklicherweise war unser Schalter an diesem Samstagmorgen nicht besetzt. Also auf in den Kampf und unsere Größen- und Massenvorteile ausgenutzt.

Nach knapp 2,5 Stunden saßen alle wieder im Bus und die Fahrt ging ereignislos weiter. Unsere Hué-Reisenden wurden gegen Mittag unterwegs an einem der typischen Bushaltestellen-Restaurants ausgesetzt und man sagte ihnen, dass der nächste Bus in 2 Stunden kommt. Ich hoffe, sie haben ihr Ziel noch erreicht.

Gegen 18:00 Uhr wurde der Rest der Truppe dann im Süden Hanois am staubigen Straßenrand abgeladen. Nachdem wir die zahlreichen Angebote der Moped-Taxis abgewehrt haben (mit meinem großen Rucksack ist das nahezu unmöghlich), fanden wir irgendwann auch noch zwei Taxis und 10 Minuten später haben wir auch den Fahrern begreiflich machen können, wo wir hin wollten. Um 19:30 stand ich dann endlich unter der Dusche im Hanoi Backpackers Hostel. Diesmal hatte ich auf Empfehlung vorsorglich vorgebucht. Alles weitere über Hanoi und Vietnam im nächsten Bericht.

 

Viele Grüße, Jan

[Suedostasien ] 26 April, 2008 13:34

Von Luang Prabang fuhr ich also knapp 200 km über einsame Passstraßen, die jedem Motorradfahrer ein begeistertes Grinsen ins Gesicht zaubern würden. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, bei Taxis und Minibussen den Beifahrersitz zu annektieren, um die dortigen Vorteile zu genießen, mehr Beinfreiheit, Kopfstütze, näher an Klimaanlage bzw. Fensterheber. Der Schuss kann natürlich auch manchmal nach hinten losgehen, wenn noch eine weitere Person auf die 1,5 Personensitzbank gequetscht wird. Das war jedoch diesmal nicht der Fall. Der Entspannungsgrad auf dem Beifahrersitz ist natürlich auch stark von den fahrerischen Fähigkeiten des Lenkradakteurs abhängig. Es gibt durchaus Fahrer, die glauben sie sind eine Reinkarnation Ayrton Senna's und man wünscht sich ganz hinten auf die Rückbank, wo man nichts mitbekommt. Und dann gibt es andere, die ein Leben lang nur Fahrrad (oder LKW) gefahren sind und die noch nicht verinnerlicht haben, dass so ein Automobil auch schneller als 40 km/h fahren kann. Aber Hauptsache ist, die Hupe funktioniert. Erscheint ein Moped am Horizont - trööt, bei jedem Überholvorgang - tröööt, Kinder oder Tiere am Straßenrand - trööt, trööt; einfach nur nervtötent. Ipod oder Ohrenstopfen helfen da auch nur bedingt. Die Landschaft entschädigte jedoch für einiges, auch wenn oftmals dichte Rauchschwaden die Umgebung einhüllten, da die Landbevölkerung vor der nächsten Regenzeit die Hänge großflächig abbrannten.

Vang Vieng ist in etwa wie Mallorca ohne Strand aber mit Bergen ringsherum. Man kann feiern bis der Arzt kommt (wenn es hier einen gibt) und genausogut sich auf Trekkingpfaden, in Höhlen und Wasserfällen der Natur hingeben. Der hiesige "Nationalsport" ist jedoch das Tubing. Man mietet sich einen alten aufgeblasenen Traktorreifen (tube), fährt mit einem Tuk-Tuk etwa 3-4 km flussaufwärts und lässt sich dann gemütlich auf einem kleinen Flüsschen namens Nam Song mit der Strömung nach Vang Vieng treiben. Das allein ist sicher nicht sehr aufregend. Lustig wird es erst durch die verschiedenen Bars, die sich links und rechts des Flusses etabliert haben und die den Alkohol eimerweise verkaufen. Zur Gaudi der Beteiligten gibt es an den diversen Bars ein paar Schaukeln, an denen man sich wie Tarzan an der Liane aus großer Höhe ins Wasser stürzen kann. Und der Wagemut steigt mit dem Alkoholkonsum. Tubing an sich ist jeden Tag eine Riesenparty, der Spaß wurde jedoch am 17.April noch einmal deutlich gesteigert. St. Patricks Day - der Nationalfeiertag Irlands. Ich weiß nicht, wo auf einmal die ganzen Iren herkamen, es müssen so um die hundert gewesen sein, die die Stimmung an den Riverbars zum Kochen brachten. Und dass die Party am Abend mit Vollgas weiterging muss eigentlich nicht erwähnt werden.

Eine andere Sache wegen der Vang Vieng berühmt/ berüchtigt ist sind die vielen TV-Bars. Alle Plätze im Lokal sind zum Fernseher ausgerichtet und das Volk schaut sich hier die zahllosen Wiederholungen der Serie "Friends" an, manchmal auch "Die Simpsons".

Vang Vieng ist die Station in Laos, die jeder Rucksacktourist in seinem Programm hat und wenn man sich ein paar Tage hier aufhält, trifft man auf einige vertraute Gesichter vergangener Tage oder Monate. So traf ich hier wieder auf Sanne, eine Holländerin, die ich zuletzt vor 2 Monaten in Yangsuo/China gesehen habe. An einer der Bars stand sie plötzlich neben mir. Ihre ehemalige Reisegefährtin, von der sie sich vor 5 Wochen getrennt hat, traf ich 5 Tage später des nachts in der Smile-Bar. Klein ist die Welt. Und nachdem ich eigentlich am Ostermontag (von Ostern war hier nichts zu spüren) abreisen wollte, traf ich am Abend vorher noch auf Helene, eine Schwedin, die ich vom Klettern in Krabi kenne. Wir verschoben unsere Abreise und gingen am Ostermontag nochmal gemeinsam zum Klettern.
Der nächste Tag sollte uns nun in die Hauptstadt nach Vientiane führen und da Busfahren auf die Dauer zu langweilig ist, legten wir einen Teil der Strecke mit dem Kajak zurück. Erst 2 h mit dem Tuk-Tuk (einer größeren Variante, auch Jumbo genannt) und nach kurzer theoretischer Einweisung ab aufs Wasser des Flusses Lik. Ich schnappte mir eines der beiden Einer-Kajaks, nachdem ich erfuhr, dass keiner der anderen schon einmal in einem Kajak gesessen hatte. Anstatt mich mit einem Anfänger rumzuärgern bevorzugte ich lieber den Individualspaß. Und das war auch gut so, wenn man wenig später den Rest der Gruppe mit den Elementen (und teilweise auch mit dem Restalkohol) kämpfen sah. Im schrägen Zickzack gings flussabwärts.
Zum Mittagessen zauberten unsere Tourguides auf einem improvisiertem Grill ein lecker Barbeque.

Insgesamt paddelten wir etwa 4 h durch eine faszinierende, einsame Flusslandschaft, deren Stille eine willkommene Abwechslung zur Hektik der Straße darstellte. Der Trip kostete insgesamt 200 000 Kip (knapp 15 Euro) und ist unbedingt empfehlenswert. Trotz Sonnenbrand. Meine Tevas zauberten ein lustiges Muster auf meinen Fuß.
Gegen 18:00 Uhr erreichten wir Vientiane. Wir hätten auch gut eine Stunde früher ankommen können, jedoch nahm unser Fahrer alle paar Kilometer einen Passagier vom Straßenrand mit, um sich ein paar Kip hinzuzuverdienen. Und da unser vollbeladenes Gefährt eine Beschleunigung hatte wie ein Flugzeugträger bei Gegenwind, dauerte es immer geschätzte 5 min vom Stand bis auf Reisegeschwindigkeit. Und die betrug gefühlte 25 mph oder 40,2 km/h wie eine spontane Umfrage aller Mitreisenden ergab. Aber Geduld ist eine Tugend in Laos.

Vientiane selbst ist nicht weiter spektakulär.Eine Stadt mit etwa 200 000 Einwohnern, ein paar Tempel, Hotels und Restaurants, das wars auch schon. Ab Mitternacht ist alles wie ausgestorben, wie überall in Laos (Ausnahme: Vang Vieng).
Von meinem nächsten Reiseziel Hanoi im Norden Vietnams trennte mich eine 24 h Busreise. Doch das ist Thema im nächsten Bericht.

Bilder Tubing: http://www.facebook.com/album.php?aid=17225&l=7f9f2&id=779493871

Bilder Kajak: http://www.facebook.com/album.php?aid=17546&l=1ae49&id=779493871

Jan 

[Suedostasien ] 17 April, 2008 05:36

Laos liegt zwar schon lange hinter mir und auch wenn die dortigen Erlebnisse schon fast wieder von neuen Abenteuern in meinem Gedächtnis verdrängt werden, soll hier doch noch berichtet werden.

Eigentlich fing es damit an, dass ich einen Tag zu lange in Thailand blieb, zumindest aus Sicht meines Stempels im Reisepass. Aber nach einer Zahlung von 500 Baht (ca. 10 EURO) an die thailändischen Behörden war der Fall schnell ad acta gelegt. Mit Quittung natürlich. Mit einem kleinen Bötchen setzte ich mit ca. 10 anderen Personen über den Mekong und 2 min später war ich in Laos, in einem kleinen Städtchen namens Huai Xai. Die Einreiseformalitäten, inklusive Visumerwerb für 30 US $, waren schnell erledigt, d.h. innerhalb einer Stunde, was für hiesige Verhältnisse verdammt schnell ist.

Da die Boote auf dem Mekongin Richtung Luang Prabang (LPB) alle am Vormittag abfahren und ich keinen Grund und auch keine Lust zur Eile hatte, hab ja schliesslich Urlaub und außerdem ist es viel zu heiß, gönnte ich mir einen Tag in Huai Xai. Da von hier (fast) alle Backpacker auf dem Mekong nach LPB reisen, traf ich die meisten Leute, mit denen ich am Abend vorher noch gefeiert habe, am nächsten Tag auf dem Slowboat wieder. Und das Slowboat trägt seinen Namen zu Recht. Für die Fahrt nach LPB benötigt man zwei Tage. Mit dem Speedboat kann man die Reise auch innerhalb von 6 Stunden erledigen, allerdings muss man dabei Integralhelm und Schwimmweste tragen. Und der enorme Lärmpegel rückt nur während der ersten halben Stunde zu Gunsten des Spaßfaktors in den Hintergrund, dann ist es nur noch eine Tortur. Außerdem sind immer wieder Schauergeschichten über Unfälle, meist Zusammenstöße mit anderen Booten bzw. im Wasser verborgenen Felsen (insbesondere bei Niedrigwasser), im Umlauf. Dann doch lieber zwei Tage je 6-8 h auf schmalen Holzbänken leiden. Viele Touristen (zu erkennen an Handgelenktäschchen und khakifarbener Abenteurerweste mit mindestens 37 Taschen davon 12 Geheimfächer) kaufen sich vorher noch Kissen fuer ihre sesselverwöhnten Hinterteile, die hartgesottenen Backpacker lenken sich mit Alkohol und lustigen Spielen von den Strapazen ab. 

Am Abend des ersten Tages wird ein Zwischenstopp in Pak Beng eingelegt. Das ist ein kleines Dörfchen, das anscheinend nur für diesen Zweck aus dem Boden gestampft wurde. Gasthaus reiht sich an Restaurant und umgekehrt. Natürlich alles in minimalistischer laotischer Holzbauweise. Und kostengüstig. Die Leute, bei denen wir nächtigten, sind vor kurzem stolze Eltern einer kleinen Tochter geworden. Sie haben ihr den bemerkenswerten Namen "Dollar" gegeben und erhoffen sich so Reichtum für die Kleine im späteren Leben. Etwas später traf ich auch noch einen jungen Kerl namens "Apple" (=Apfel). Was sich die Eltern dabei gedacht haben, konnte ich leider nicht rauskriegen. Es hatte auf jeden Fall nichts mit einer Microsoft-Aversion zu tun.

Luang Prabang ist eine kleine Stadt, die unter anderem wegen ihrer zahlreichen Tempel zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Und die meisten der Tempel habe ich mir auch angeschaut. Eigentlich wollte ich mir alle antun, aber irgendwann bei 30 war dann Schluss mit lustig, auch wenn die meisten Begegnungen mit den Mönchen sehr unterhaltsam war. Die Mönche zogen jeden Morgen vor Sonnenaufgang in einer langen Prozession durch den Ort und erhielten von der Bevölkerung Reis und andere Nahrungsmittel. Sicher ein interessantes Schauspiel, ich hab es aber jeden Morgen verschlafen. Und das obwohl sämtliche Lokale der Stadt allerspätestens um 23:30 schließen.

Was man hier auf jeden Fall nicht verpassen sollte, ist ein Ausflug zum Kuang Si Wasserfall. Hübsch anzuschauen und bei der Hitze auch sehr erfrischend, wenn man von den Bademöglichkeiten Gebrauch macht. Nach 4 Tagen ging es dann weiter mit dem Minibus nach Vang Vieng. Das liegt etwa auf halber Strecke zwischen LPB und der Hauptstadt Vientiane. Davon in Kürze mehr.

Viele Grüße, Jan

Wer sich jetzt wundert, warum ich auf einmal Umlaute benutze...Ich hab endlich die Sache mit dem ASCII-Code entdeckt. Für Interessenten:

ä= alt+132, ö= alt+148, ü= alt+129, ß= alt+225 (Zahlen rechts auf dem Ziffernblock eingeben) 

PS: Ich bin im Moment in Ho Chi Minh City (ehemals Saigon).

Bilder Mekong: http://www.facebook.com/album.php?aid=16703&l=d902d&id=779493871

Bilder Laos allg: http://www.facebook.com/album.php?aid=17226&l=4d95f&id=779493871

[Suedostasien ] 05 März, 2008 14:34

Meine Tage unter den Palmen Krabis sind inzwischen Geschichte und ich bin schon wieder zurueck in Bangkok auf der Weiterreise in Thailands Norden und Richtung Laos. Hier jedoch noch ein kleiner Rueckblick ueber meine kurze Auszeit im Paradies.

Das Leben am Strand von TonSai gestaltete sich total entspannt, da der Strand voellig vom Verkehr abgeschnitten ist und man nur mit dem Boot dort hingelangt. Irgendwie hat man es zwar doch mal geschafft, 2 Pickup-Trucks hierherzuschaffen um die Bootlieferungen der Restaurants abzuholen aber sonst gibts hier nur Bungalows, Restaurants, Bars, Felsen und ein wenig Strand. Alle paar Stunden aendert sich das Aussehen des Strandes, wenn die hier taeglich das Wasser ablassen und neues Wasser nachfuellen (wer sich den Quatsch nur ausgedacht hat?). Bei Niedrigwasser hat man dann die Moeglichkeit, zum (etwas laengeren und breiteren) Nachbarstrand nach Railey zu laufen um mal ein wenig Geld anzuheben oder seine Zeit beim Beachvolleyball, Strandkick, Frisbee etc. zu verschwenden.

Wenn wir es schafften, ging es morgens in eines der Restaurants zum gemuetlichen Fruehstueck. Hier sahen wir dann jedesmal die Parade der braungebrannten Waschbrettbaeuche an uns vorbei defilieren auf dem Weg zu neuen klettersportlichen Hoechstleistungen. Die etwas kuehleren (d.h. nicht ganz so heissen) Morgenstunden waren sehr begehrt, genausoso wie die Waende im Schatten. Das ganze erfordert hier naemlich ein wenig Planung, da mann in der prallen Sonne einfach so an der Wand gebraten wuerde. Aber die Freunde des Klettersports kennen das ja schon aus Italien, Spanien, Suedfrankreich usw. Wir liessen es meist etwas gemuetlicher angehen, da Cathal (mein letzter verbliebener irischer Begleiter) Kletteranfaenger ist und unsere Routen von den Cracks natuerlich weniger beachtet wurden. Zum Vorsteigen hab ich mich dann immer von irgendeinem anderen Kletterer sichern lassen (das wollte ich Cathal und mir dann doch nicht antun) und dann gings im Toprope mit lustigem Seiltausch irgendwie weiter. Falls das fuer Nichtkletterer alles unverstaendliches Zeug ist--> einfach ignorieren, wichtig ist nur: es hat Riesenspass gemacht.

Wie schon vorher angedeutet, waren wir auch zweimal beim Deep-Water-Soloing (DWS). Das heisst, man klettert an einem Felsen der sich ueber Wasser befindet. Man hat keine Sicherungsmittel wie Gurt und Seil und wenn mann stuerzt faellt man ins (tiefe) Wasser. Zum Felsen kann man entweder schwimmen, was aber bloed ist wegen der nassen Haende, oder man wird mit dem Kayak hingepaddelt. DWS ist eines der tollsten Sachen, die ich je gemacht habe. Vom Boot sieht das immer ganz einfach aus und vor allem nicht so hoch, wenn jedoch in der Wand haengt und die Wasseroberflaeche ist 5 oder 6 m unter einem bekommt man schon ein mulmiges Gefuehl und man wuenscht sich ein Seil herbei. Anfangs waren schon 3 m prickelnd, spaeter hab ich mich dann auf geschaetzte 10m gesteigert. Die Kletterrei selbst war nicht so schwer, aber der Kick ist einfach grossartig.

Am fruehen Abend hingen wir meist im Andaman-Restaurant herum. Bei leckeren Fruchtshakes fuer knapp einen Euro liefen hier Filme auf HBO (fuer Nichteingeweihte: das ist Premiere auf amerikanisch) und ein Internetcafe  und 'ne Tischtennisplatte haben die auch.

Der zweitschoenste Teil des Tages begann dann meist um kurz nach 19:00 Uhr im Green Valley Restaurant. Abendessen!! Jeden Abend gab es frischen Fisch vom Grill. Einhundert Gramm Barrakuda, Kingfisch, Hai, Marlin..... fuer knapp 85 Cent. Plus Pauschale von 1,20 Euro fuers Salatbuffet und man hat fuer 5 Euro richtig lecker gegessen und getrunken. Wahrlich paradiesisch.

Nur um keine Missverstaendnisse aufkommen zu lassen, was hier als Restaurant bezeichnet wird, hat mit europaeischen Steinbauten nichts zu tun. Man diniert entweder unter freiem Himmel oder auf Bambusverandas und die Grillen, Zikaden und Voegel liefern die Musik. Zum Tagesausklang gings dann meist an die diversen Bars am Strand, um auf Bambusmatten und Kissen liegend, gekuehlte Getraenke zu geniessen. Unser Ziel war meist die Mambo-Bar, da diese auch eine Slackline (ein schmaler Gurt zum drauf balancieren) hatten. War meist sehr lustig anzusehen, insbesondere wenn der Alkoholspiegel der Aspiranten leicht erhoeht war.

Nachdem ich mich jeden Tag ueber die hohen Temperaturen beschwert habe, hatte der Wettermann doch mal ein Einsehen und mit Regen fuer ein wenig Abkuehlung gesorgt. Eine Wohltat fuer meinen Sonnenbrand. 

Mit einer 12 h-Busfahrt ging es am 29.2. wieder Richtung Bangkok, wo wir gegen 5:00 morgens eintrafen. Auf der Busfahrt und am folgenden Sonntag gings mir das erste mal auf dieser Tour so richtig Sch...e. Hab wohl irgendwas gegessen, was meinem Magen nicht so gefiel. Irgendwann war der Magen dann leer und wollte auch nichts mehr annehmen und so hab ich am Sonntag kurzfristig einen Fastentag eingelegt und hauptsaechlich im Bett herumgelungert. Unterkunft haben wir diesmal im Soi1 Guesthouse in Sukhumvit gefunden (300 Baht pro Nacht). Waehrend der Rest des Hauses einen feuchtfroehlichen Abend im "Gulliver's" in der Khao San Road verbrachte, lag ich diesmal im Bett. Hat sich aber gelohnt, denn am Montagmorgen gings mir wir so als waer nichts gewesen. Herzlichen Dank an meine hervorragenden Selbstheilungskraefte. Es waere eine Schande, mit verrenktem Magen auf die thailaendische Kueche verzichten zu muessen. Apropos thailaendische Kueche, in Bangkok gibt es einen McDonalds-Lieferservice. Ist das nicht krank??!!

Cathal ist inzwischen mit dem Flieger Richtung Macau geflogen und ich bin jetzt wieder auf mich allein gestellt. Am Sonntag laeuft mein thailaendisches Visum aus und ich hoffe, ich bin bis dahin ueber Chiang Mai weiter nach Laos gereist. Von dort gibts dann die naechste Post und auch die naechsten Bilder.

Herzliche Gruesse, Jan

[Suedostasien ] 22 Februar, 2008 09:42

Meine erste selbstaufgestellte Regel ist gebrochen - ich bin mit dem Flugzeug geflogen. Da Rob mit seinem anstehenden Arbeitsvertrag ein bisschen in Zeitnot geriet und die uebrigen zwei Iren Cathal und Niall in Bangkok auf uns warteten (sie haben in der Zwischenzeit einen Abstecher nach Laos unternommen), haben wir uns nach heftigen Diskussionen dann doch fuer den Flieger entschieden. Mit Air Asia gings am 9.Februar vom moderat temperierten Macau ins schwuelwarme Bangkok. Ich hab dann auch gleich wieder einen Grund gefunden, nicht mehr zu fliegen, mein Rucksack uebersteigt mit 28 kg das zulaessige Gepaecklimit von 15 kg recht deutlich und schlug auch gleich nochmal mit 38 Euro Gebuehr zu Buche. Gnaedigerweise hat man mir nur 10 kg berechnet. Ich hab dann gleich am naechsten Tag ein Paeckchen mit ein wenig Ballast auf die Reise gen Heimat geschickt. Air Asia ist einer der vielen Billigflieger ala Ryanair, Germanwings etc. die die Angewohnheit haben, meine Visakarte nicht zu akzeptieren. Auf Nachfrage bei der DKB versicherte man mir, das es nicht an meiner Karte laege sondern an der Verbindung von Air Asia zu VISA. Naja, geholfen hat's mir nicht und so musste Rob mit seiner Mastercard herhalten.

Wir am Abend in Macau gestartet und knapp 2,5 h spaeter um 23:00 Uhr in Bangkok gelandet. Dort wurden wir auch schon von unseren Iren und Robs Freundin Leeann empfangen. Gab natuerlich ein grosses Hallo, wir haben uns schliesslich einen Monat nicht gesehen. Leeann ist ein echtes Goldstueck, sie ist von den Philippinen, jedoch lebt ihre Familie in Bangkok, sie selbst arbeitet als Englischlehrerin in Zentralchina. Demnaechst mit Rob an ihrer Seite. Sie spricht neben Englisch natuerlich auch noch Chinesisch und Thai und hat praktisch ueberall Verwandte und Freunde. Eine ihrer Tanten leitet das Krankenhaus der "Adventisten des siebten Tages" (Leeann selbst ist auch eine Adventistin). Im Krankenhaus gibt es auch einige Apartments, wovon uns eines fuer einen Sondertarif von 1000 Baht (ca. 21 Euro) zur Verfuegung gestellt wurde. Echt super Sache mit Klimaanlage, Kueche und Bad und von jedem Taxifahrer zu finden.

In Bangkok wollten wir eigentlich nur einen kleinen Zwischenstop einlegen bis ich ein kleines Carepaket aus der Heimat erhalten habe. (Hierfuer nochmal lieben Dank!!!) Anlaufadresse war natuerlich Leeanns Familie. In der Zwischenzeit haben wir uns die Zeit in Bangkok mit Sightseeing (Grand Palace, Floating Market, diverse Tempel) vertrieben.  Abends gings dann in die diversen Vergnuegungsviertel oder zum Muay Thai (Thai-Boxen), Bowling oder mal wieder ins Kino ("American Gangster"). Die Tage vergingen echt wie im Flug, was natuerlich auch daran lag, dass wir nach den langen Naechten die meisten Vormittage verschliefen.
Mit dem Flieger (ja, ich gestehe) ging es anschliessend weiter nach Phuket. Eigentlich wollte ich ein wenig tauchen gehen, hab mir jedoch eine Klimaanlagenerkaeltung eingefangen und musste daher aufs Tauchen verzichten. Wird aber bei Besserung sicher nachgeholt. Also lag auch hier der Schwerpunkt notgedrungenerweise wieder auf dem Nachtleben, welches meinem Temperaturempfinden deutlich mehr entgegenkam als die heissen Tage am Strand, die Rob und Cathal ausgiebig nutzten. Rob hat sich dabei einen Moerdersonnenbrand zugezogen. Nach drei Tagen gings weiter mit dem Bus nach Krabi und hier sitze ich nun mitten im Paradies am TonSai Beach. Die ersten Klettertage liegen hinter mir, davon einen Tag Deep-Water Soloing :-))))))))), ich habe tierischen Muskelkater aber morgen geht's weiter uebermorgen steht nochmal DWS auf dem Programm.

Abends liegen wir an den diversen Bars bei diversen Drinks am Strand und schauen dem Vollmond zu. Das Leben ist herrlich.

Ganz entspannte Gruesse,

Jan

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[China ] 14 Februar, 2008 10:45

Nachdem ich ich China drei Stunden vor Ablauf meines bereits verlaengerten Visums mit dem Zug aus Guangzhou (ehemals Kanton) verlassen habe bin ich knapp zwei Stunden spaeter in der Hektik Hongkong (HK) eingetroffen. Hier traf ich auch wieder auf einen meiner irischen Reisegefaehrten. Rob muss sich in HK ein Arbeitsvisum organisieren, da er irgendwo in der chinesischen Provinz als Englischlehrer arbeiten moechte. Ausserdem brauchte er noch einen kurzen medizinischen Check und rennt seither mit seinem Roentgenbild durch die Gegend. Das bloede Ding passt einfach nicht in seinen Rucksack.

Die ersten drei Naechte haben wir hier in den Youthhostels auf HK-Island (Mt. Davis Hostel) und Lantau verbracht. Eigentlich waren diese Tage vorgesehen um auf Schusters Rappen ein bisschen das gruene Umland Hongkongs zu erwandern, jedoch das Wetter war ganz und gar nicht unserer Meinung. Nicht das ich auf einmal wasserscheu geworden waere (hab ja schliesslich gute Regenbekleidung dabei) aber der Nebel in den Huegeln war teilweise so dicht, das wir den Weg von der Bushaltestelle zum Hostel nur mit meinem Kompass finden konnten. Und wenn man beim Wandern nichts sieht, sehe ich auch keine Sinn im Wandern. Wir sind sogar eines morgens um 5 Uhr aufgestanden um den Lantau-Peak bei Sonnenaufgang zu erleben, immerhin konnten wir am Abend vorher fuer kurze Zeit mal die Sterne sehen. Am Morgen jedoch das gleiche trostlose Bild, dichter Nebel, der uns nicht mal den 15 m entfernten Zaun erkennen liess.

So verbrachten wir also die ersten regentrueben Tage in den Schluchten der Hochhauser beim Erkunden der Unterhaltungsangebote, dh. Bars, Klubs, Kino etc. Eine Wetteraenderung fuer die folgenden Tage stand auch nicht in Aussicht,so das wir beschlossen, einen kurzen Ausflug nach Macau zu unternehmen. Mit der Faehre ist Macau mal eben so in knapp einer Stunde fuer circa 14 Euro zu erreichen.

Macau hat grade mal ein Vierzigstel der Groesse und Hongkongs, daher geht hier alles ein klein wenig beschaulicher zu. Am Wochenende platzt hier jedoch alles aus den Naehten, halb Asien stroemt in die hiesigen Kasinos (die machen hier mehr Umsatz als in Las Vegas!!!) und die Unterkunftspreise verteuern sich drastisch. Als ehemalige portugiesische Kolonie sind hier alle zweisprachigen Beschilderungen in chinesisch/kantonesisch und portugiesisch ausgefuehrt. Auch die hiesigen Kirchen zeigen die portugiesische Vergangenheit recht deutlich. Und nicht zu vergessen sind natuerlich die vielen leckeren lukullischen Spezialitaeten. Die portugiesischen Egg-Tarts (kleine Teilchen mit einer Creme Brulee-aehnlichen Fuellung) haben mir hier ganz schoen zugesetzt. Da Rob regentechnisch nicht ganz so gut ausgestattet ist, sind wir hier halt von einer Kirche zur naechsten gepilgert und haben zwischendurch Verpflegungsstops in den Baeckereien eingelegt. Das Fotografieren der oertlichen Sehenswuerdigkeiten wird zur Zeit durch Unmengen an Ratten in jeder Form erschwer. Das chinesische Neujahr begann im Februar und nach dem Jahr des Schweines folgt nun das Jahr der Ratte und ueberall stehen, haengen, liegen diese Tierchen im Blickwinkel des genervten Betrachters. Ungestoert betrachten konnten wir eine tolle Leonardo-daVinci-Ausstellung, die noch bis Ende Februar im Macau-Tower zu sehen ist. Sehr empfehlenswert!

Fast einen ganzen Tag haben wir im "Venetian Macau" verbracht. Das ist ein Riesenkasino (momentan das groesste der Welt) ganz im Stile Venedigs mit Kanaelen, Bruecken, Shops und allem drumherum. Ein Kasino der Superlative untergebracht im zweitgroessten Gebaude der Welt. Hier erfuhren wir auch , das "The Police" mit Frontmann Sting am 07.02. ein Konzert im Rahmen ihrer Welttounee geben, und wenn wir schon mal in der Naehe sind....

Zwischendurch gings noch mal fuer ein paar Tage nach HK zurueck. Diesmal lagen die Schwerpunkte eher auf dem Nachtleben und da die(guenstigeren) Hostel-Unterkuenfte auf den Inseln abends nur sehr umstaendlich und mit erhoehtem finanziellen Aufwand zu erreichen sind haben wir uns diesmal in den Chunking Mansions in Kowloon einquartiert. Die Tage wurden verschlafen (bis auf den einzigen Sonnentag, den ich zum Wandern nutzte, gab auch gleich 'nen Sonnenbrand) und die Naechte sind wir um die Haeuser gezogen.

Am 7.2. ging es mit der Faehre wieder nach Macau. Am Abend stand dann endlich das Konzert auf dem Programm. War echt toll, leider nicht ganz ausverkauft, viele Chinesen koennen mit "The Police" einfach nichts anfangen, Zitat eines Asiaten: "Why you go to police station for concert??"

Zwei Tage spaeter machten wir uns auf den Weg nach Bangkok. Hier sitze ich also in der Hitze Thailands, wiedervereint mit meinen drei Irischen Freunden. Darueber mehr beim naechsten mal.

Gruss aus dem heissen Thailand,

Jan

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[China ] 15 Januar, 2008 08:21

Nach Wochen der Enthaltsamkeit endlich mal wieder neue Post. Nachdem mir in Tibet der Zugriff auf die Seite nicht gestattet wurde, hab ich mich irgendwie an die Schreibfaulheit gewoehnt. Und ausserdem waren ja Weihnachtsferien.

Nachdem Tibet ja eines der Ziele war, auf das ich mich am meisten freute, konnte ich natuerlich auch kaum erwarten, das es los geht. Die ganzen Vorbereitungen, die eigentlich nur den Ticketkauf und die Organisation eines Permits beinhalten, haben wir dem Hostel ueberlassen. Aufgrund der Tag- und Nachtaktivitaeten in Peking, war die Zeit dafuer eh viel zu knapp, da die Vormittage meist verschlafen wurden. Rueckblickend war die Organisation eines Permits reine Geldverschwendung (knapp 60 EURO!!) , keine Sau interessierte sich dafuer und wie wir in Tibet erfuhren, sind Lhasa, Shigatse und andere Orte sogenannte "offene Staedte", die man "einfach so" bereisen kann. Naja, Reisen bildet.

Die Reise nach Lhasa selbst ist schon ein kleines Highlight. Mit dem Zug geht es 48 Stunden immer Richtung Westen. Dabei passieren wir auch die hoechstgelegene Bahnstation der Welt mit immerhin 5068m ueber dem Meeresspiegel. Leider hab ich die Station sowohl bei Hin- als auch bei Rueckreise verschlafen, wenn auch nur knapp. Um gesundheitliche Beeintraechtigungen in der Hoehe zu minimieren, wird ab einer Hoehe von 3000 m ue.d.M. reiner Sauerstoff in die Kabinen geleitet. Ein Druckausgleich wie im Flugzeug (wie von mir anfang vermutet) gabs jedoch nicht. Das Klofenster stand die ganze Zeit offen.

Fuer die Reise hab ich mir die gemuetlichen Softsleeper-Betten in einem Viererabteil angetan, waehrend meine verbliebenen 2 Begleiter NiNi (Niall aus Irland und Nick aus Suedafrika)aus finanziellen Gruenden mit dem Hardseat Vorlieb nahmen. Kostet immerhin nur ein Drittel, ganze 40 Euro. Anfangs sah das auch noch wie eine gute Idee aus, der Waggon war nur zu 20% belegt und auf den Dreiersitzen kann man bestimmt auch einigermassen schlafen. Nach einer Station war es jedoch mit der Einsamkeit vorbei und eine ganze Ladung Rekruten der chinesischen Armee (PLA-Peoples Liberation Army) stuermte unter lautstarker Fuehrung in den Waggon und belegte alle freien Plaetze. Militaerdienst im fernen Tibet, wer moechte das nicht. Ich hatte mit meinen Reisepartnern im Abteil weitaus mehr Glueck. Anfangs noch zu viert, war ich nach einer Station nur noch mit einer jungen Chinesin im Abteil, die, oh Wunder, auch noch hervorragend Englisch sprach, da sie 4 Jahre in Australien studierte. Irgendwas mit Werbung. Jetzt macht sie irgendwas in der Filmbranche, wirkte u.a. hinter den Kulissen bei "Die Mumie - Teil 3" mit. Und sie fotografierte pausenlos. Fuer gute Bilder stuermten wir waehrend eines Halts aus dem Waggon, um unsere Fenster von aussen von Staub und Dreck zu befreien. So standen wir selbst im Mittelpunkt einiger Fotgrafen. Alles fuer die Kunst. Tagsueber genossen NiNi die freien Betten in unserem Abteil, um ein wenig Schlaf nachzuholen, den sie auf ihren schmalen Sitzen nicht finden konnten. In ihrem Abteil stapelten sich die Leute in den Gaengen und unter den Sitzen auf der Suche nach einer gemuetlicheren Schlafposition. Und nach einer halben Stunde hat man sich auch an den Geruch gewoehnt.

Die Ankunft in Lhasa war enttaeuschend - kein Schnee, auch nicht auf den umliegenden Bergen. Dafuer tagsueber jeden Tag Sonnenschein, der mir einen kleinen Sonnenbrand bescherte. Immerhin heizte die Sonne unser Hotelzimmer (3 Euro pro Nacht im Vierbettzimmer, Yak-Hotel) tagsueber etwas auf. Heizung war hier ein Fremdwort. In jedem Hotel war die erste Antwort auf unsere Frage nach einem freien Zimmer: "rooms no heating". In unserem Zimmer war es relativ angenehm temperiert, der Nachteil war die Lage unmittelbar an der Strasse. Die gefuehlten 20 000 Taxifahrer in Lhasa signalisierten jedem Fussgaenger per Hupsignal das da ein freies Taxi kommt, Tag und Nacht. Und wenn auch nur ein Passant nachts unterwegs war, wurde er halt von jedem Taxi angehupt. Manchmal hatte man auch das Gefuehl, das die Hupe automatisch alle 20 Sekunden ein Signal gibt. Hiermit ein kleiner Dank an den Erfinder der Gehoerschutzstopfen.

Die sonnigen Tage in Lhasa verbrachten wir mit Klosterbesichtigungen, wir stuerzten uns auf Mountainbikes todesmutig in den Verkehr, sassen auf gemuetlichen Dachterrassen beim Mittagessen, bestaunten die vielen Trachten der Einheimischen sowie ihre Hingabe beim Beten und Pilgern. Da die Zahl der Touristen im Dezember sehr beschraenkt war, wir trafen auf ca. 25 andere Nichtasiaten, standen auch wir sehr im Interesse der hiesigen Bevoelkerung. Immer wieder wurden wir gebeten fuer gemeinsame Fotoaufnahmen zu posieren (50 pro Tag ist keine Uebertreibung). Manche wollten auch meine verbliebenen blonden Haare anfassen.

Ein Highlight war ein Ausflug zum Everest Base Camp (EBC), dem Ort an dem viele Expeditionen zum hoechsten Berg der Erde ihren Anfang nehmen. Das Camp befindet sich kurz vor der nepalesischen Grenze auf 5200 m Hoehe und ist etwa eine Tagesreise von Lhasa entfernt. Zusammen mit 3 schwedischen Girls, die wir noch in Peking trafen und die 2 Tage nach uns in Lhasa eintrafen (d.h. auch 2 Tage weniger Akklimatisierung!!) charterten wir einen Toyota Landrover fuer schwer erfeilschte 330 Euro (inkl. Fahrer, Permit, Sprit). Der erste Tag fuehrte ueber Shigatse (inklusive Kora (= Pilgerweg mit meist hunderten von Gebetsmuehlen) um das Kloster) bis nach Shegar. Dort verbrachten wir eine Nacht in einem saukalten und verdrecktem Hotel (Snowman-Guesthouse). Ich hatte dankenswerterweise meinen Schlafsack dabei, Niall musste die stockige Bettwaesche Nutzen. Am naechsten Morgen war meine Wasserflasche neben dem Bett tiefgefroren. Bis zum EBC waren es etwa 3 h Fahrt. Wir kamen gegen Mittag an und hatte freie Sicht auf den Mount Everest. Das Camp selbst war verlassen, nur der Kiosk der hoechstgelegenen Poststelle der Welt stand verlassen in der Gegend rum. Wir turnten knapp 2 Stunden durchs Gelaende, schossen die ueblichen Fotos und machten uns dann wieder auf den Rueckweg. Die geplante erneute Uebernachtung in Shegar verweigerten wir und fuhren nach Ueberredung unseres nicht englischsprechenden Fahrers Richtung Shigatse. Gegen 21:00 trafen wir im dortigen Hotel ein. Da die Zimmer dort aber genauso schweinekalt und wenig einladend waren konnten wir unseren Fahrer ein weiteres Mal ueberreden, die letzten 280 km nach Lhasa auch noch zurueckzulegen. Der Kerl sass immer hin schon 13 h hinterm Lenkrad. Nach den ersten Anzeichen seiner Muedigkeit (offene Fenster, laute Musik, verstaerkter Zigarettenkonsum..) ueberliess er mir nach kurzer Diskussion dass Lenkrad und ich fuhr die naechsten 2 Stunden durch die Nacht. Kurz vor der Polizeikontrolle vor Lhasa wechselten wir wieder die Plaetze und gegen 01:00 Uhr waren wir wieder im Hotel.

Waehrend Nick mit den Schwedinnen in Richtung Laos weiterzog, fuhr ich mit Niall nach Xi'an. Davon gibts dann naechstes mal mehr.

PS: bin derzeit beim Klettern in Yangshuo

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